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    Petitionstext

    Der Xingu ist in Gefahr

    Bau und Betrieb des geplanten Wasserkraftwerks Belo Monte sind ein Angriff auf den Fluss, die Umwelt und die dort lebende Bevölkerung.
    Diese Bedrohung erfordert globalen Einsatz für Leben und nachhaltige Entwicklung.

    Das Projekt Belo Monte zielt nicht auf Nachhaltigkeit ab, sondern auf beschleunigtes Wirtschaftswachstum. Beschleunigung für wen? Das einfache Volk arbeitet schon heute acht Tage in der Woche, – Feiertage zählen doppelt -, um ein bescheidenes Dasein zu fristen.

    Nachhaltige Entwicklung gegen beschleunigtes Wachstum

    Bereits im Jahr 1972 verwies der Club of Rome auf die Grenzen des Wachstums und warnte unter anderem vor einer hemmungslosen Ausbeutung natürlicher Rohstoffe. Zwei Jahrzehnte später fand in Rio de Janeiro (Brasilien) eine wichtige Konferenz zur “Rettung des Planeten” statt. Die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung prägte den Begriff der Nachhaltigkeit und appellierte an die Verantwortung der Weltgemeinschaft.

    Diese Verantwortung für unsere Erde und für ein würdiges Leben zukünftiger Generationen ist das Motiv unserer Petition. Wir bitten Sie um Gehör und Aufmerksamkeit für unsere Befürchtungen, damit Sie diese bei Ihren Entscheidungen berücksichtigen.

    Am 1. Februar 2010, im Monat, in dem vor fünf Jahren ein beauftragter Mörder das Leben einer Aktivistin für die Rechte der Kleinbauern an der Transamazônica sowie Verteidigerin einer nachhaltigen Entwicklung in Amazonien, Dorothy Mae Stang, mit fünf Schüssen auslöschte, hat das IBAMA die Vorlizenz für das Wasserkraftwerk Belo Monte erteilt.

    Die Vorlizenz beinhaltet 40 Bedingungen, etwa hinsichtlich Wasserqualität, Fauna, sanitäre Infrastruktur oder betroffene Bevölkerung. Diese entsprechen aber nur teilweise den Forderungen der vom Kraftwerk Betroffenen. Zum Beispiel sind die bisherigen Erhebungen im Planungsprozess bezüglich sozialer, migratorischer und ökologischer Auswirkungen lückenhaft. Bisherige Großprojekte zeigen, dass Bedingungen und Versprechen nie zur Gänze in die Praxis umgesetzt wurden.

    Beispiele aus der Vergangenheit

    Vier Jahrzehnte sind seit dem ersten Spatenstich für das binationale UHE Itaipu vergangen. Etwa 40.000 Menschen – vor allem Indios Guaraní – mussten von ihren traditionellen Territorien weichen. Millionen tropischer Bäume gingen unwiederbringlich verloren.

    Der Stausee für das UHE Sobradinho am Rio São Francisco verdrängte mehr als 70.000 Menschen. Viele der vom Kraftwerk Betroffenen wurden verjagt. Ein Teil der kleinbäuerlichen Familien erhielt Monate später, in einer steinigen und wasserarmen Gegend ohne Infrastruktur ein Grundstück, das für die Subsistenzwirtschaftung ungeeignet ist.

    Die langen Trockenperioden in der semi-ariden Region senken die Wasserpegel und führen zu einem deutlichen Abfall der Energieproduktion. Die Siedler in der Nachbarschaft des Stausees beklagen bis heute den Mangel an Trinkwasser.

    Unzureichend war die Waldrodung im Becken des Tocantins vor der Flutung für das Kraftwerk Tucuruí. Die verfaulende Biomasse setzt erhebliche Mengen an Treibhausgasen frei. Das stehende und tote Gewässer ist Brutstätte für Mosquitos und Ungeziefer. Der Lebensraum von mehr als 20.000 Menschen ist im Wasser versunken. Nur wenige erhielten eine geringe finanzielle Entschädigung. Viele Besitztitel der Grundstücke, die zum Ausgleich angeboten wurden, waren längst vergeben. Für die indigene Gemeinschaft Parakanã war die Umsiedlung ein tiefer Einschnitt in ihre soziale Organisationsform. Mindestens 5.000 Haushalte etwa in Mocajuba, Cametá oder Limoeiro sind noch nicht an das Stromnetz von Tucuruí angeschlossen. Die luxuriösen Wohnanlagen für die ehemaligen Ingenieure und Techniker aus anderen Bundesstaaten stehen Großteils leer, während sich Favelas ausbreiten.

    Wer kontrolliert die Beachtung der 33 Bedingungen, die im Kontext der Kraftwerke Santo Antônio und Jirau am Madeira Fluss erlassen wurden? Die direkt betroffenen mindestens 5.000 Familien wissen noch immer nicht, wann sie das Gebiet verlassen müssen und schon gar nicht, wo sie eine Bleibe finden.

    Wenn die von Kraftwerken betroffene Bevölkerung auf die Straße geht und die Berücksichtigung ihrer Rechte und Interessen fordert, werden die Demonstrationen stets von einem unverhältnismäßigen Polizeiaufgebot begleitet. Hin und wieder kommt es zu willkürlichen Verhaftungen.

    Die Einwohnerzahl von Altamira ist im letzten halben Jahrhundert von rund 5.000 auf etwa 90.000 angestiegen. Im Zuge von Belo Monte sollen 100.000 Personen in kurzer Zeit zuwandern. Tausende Menschen werden in diese Region am Xingu drängen. Welche Infrastruktur steht bereit, um dieser übermäßigen Migration zu begegnen?

    Eletrobrás verspricht für das UHE Belo Monte 18.000 direkte und 80.000 indirekte Arbeitsplätze. Hunderte freie Stellen wurden seinerzeit auch beim Ausbau der Hochspannungsleitung von Tucuruí nach Altamira in Aussicht gestellt. Geduldig reihten sich unzählige Arbeitssuchende in die Warteschlange ein, zahlten sogar eine Gebühr und gingen doch leer aus. Die gering entlohnten Beschäftigungsverhältnisse wurden mit Indios aus Bolivien abgeschlossen.

    Solidarität

    Die direkt und indirekt vom Kraftwerk Belo Monte betroffenen indigenen Völker, denen Amazonien seit urvordenklicher Zeit Heimat ist, fordern auf der Grundlage der Bundesverfassung von 1988 und der ILO-Konvention 169 noch immer ihre Anhörung, die diesen Normen tatsächlich entspricht.

    Der Planet Erde gehört uns allen.
    Auf diesem Planeten gibt es nur ein Amazonien in seiner Biodiversität.
    Einzigartig ist auch der Fluss Xingu.
    Solidarisch mit den Siedlern entlang der Flüsse, mit den indigenen Völkern Xipaia, Curuaia, Xikrin do Bacajá, Parakanã, Arara, Araweté, Asurini, Juruna und Kayapó, mit den Einwohnern von Altamira, Anapu, Brasil Novo, Medicilândia, Pacajá, Placas, Porto de Moz, Senador José Porfírio, Uruará und Vitória do Xingu bekräftigen wir:
    Der Xingu soll für immer leben!

    Zur Unterschrift der Petition

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